Carl von Linné gab dem Kakaobaum den Gattungsnamen Theobroma, „Götterspeise", und meinte das ernst. Bei den Maya und Azteken dienten die Bohnen als Währung, und der Schoko-Trunk war Priestern, Kriegern und Königen vorbehalten. Heute steht dieselbe Pflanze als Tafel Schokolade in jedem Regal. Kakao trägt einen festen Ruf als Liebes-Lebensmittel, und seine Inhaltsstoffe lesen sich wie ein Aphrodisia-Cocktail.
In diesem Artikel schaue ich nach, was von diesem Ruf im Körper ankommt. Die ehrliche Antwort liegt weniger in der Pharmakologie und mehr in den Sinnen, und das macht Kakao trotzdem zu einer der schönsten Pflanzen dieses Magazins.
Was Kakao eigentlich ist
Kakao (Theobroma cacao) ist die Frucht eines tropischen Baums aus der Familie der Malvengewächse. Genutzt werden die Bohnen aus den Schoten, roh oder geröstet. Roh schmeckt Kakao bitter und leicht erdig mit fruchtigen Untertönen, beim Rösten entwickelt sich die vertraute Schokoladen-Note. Im Liebeskalender steht Kakao im Zeichen des Krebses und ist der Venus zugeordnet, mit den Qualitäten Nähe und Geborgenheit.
Die Tradition
Maya und Azteken kultivierten Kakao über 1500 Jahre und verwendeten ihn rituell. Das aztekische Wort xocolatl heißt „bitteres Wasser"; getrunken wurde Kakao kalt, ungesüßt, mit Mais, Chili und Vanille. Montezuma soll der Überlieferung nach täglich viele Becher des Trunks geleert haben, die Quelle dafür ist allerdings wackelig. Cortés brachte Kakao 1528 nach Spanien, wo er zunächst als bittere Medizin galt. Mit dem Zucker im 17. Jahrhundert eroberte die heiße Schokolade die europäischen Höfe, und Persönlichkeiten wie Madame de Pompadour und Casanova trugen zum Ruf als Liebesmittel bei.
In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Kakao-Zeremonie als Wellness-Phänomen wiederbelebt worden, mit echten Wurzeln in südamerikanischen Traditionen und reichlich Esoterik-Beiwerk. Man kann das ernst nehmen oder einfach als gemeinsames Ritual genießen.
Was im Kakao steckt und was davon ankommt
Die Inhaltsstoffe klingen vielversprechend, deshalb lohnt der genaue Blick darauf, wie viel im Körper wirkt.
- Theobromin — ein koffeinähnlicher Stoff, milder und länger anhaltend. Er hebt die Stimmung leicht und erweitert die Gefäße.
- Phenylethylamin (PEA) — ein körpereigener Stoff, der auch bei Verliebtheit ausgeschüttet wird. Im Kakao ist er reichlich vorhanden, wird bei der Aufnahme über den Darm aber zum großen Teil abgebaut, sodass im Gehirn wenig ankommt.
- Anandamid — ein körpereigener Botenstoff mit stimmungshebender Wirkung, im Kakao nur in kleinen Mengen.
- Magnesium — entspannend und krampflösend. Kakao gehört zu den magnesiumreichsten Lebensmitteln.
- Flavanole — antioxidativ und gefäßfreundlich.
Was die Studien zeigen
Hier ist Ehrlichkeit gefragt, weil rund um Schokolade viel Halbwissen kursiert.
Stimmung. Dass Schokolade kurzfristig die Stimmung hebt, ist gut belegt. Ein Teil davon ist sensorisch und psychologisch, ein Teil geht auf die genannten Inhaltsstoffe zurück.
Durchblutung. Kakao-Flavanole verbessern in Studien die Gefäßfunktion und senken leicht den Blutdruck. Die dafür nötige Menge liegt allerdings weit über dem, was in einem Stück Schokolade steckt.
Sexuelle Funktion. Die bekannteste Studie befragte 163 Frauen und fand zunächst bei täglichen Schokoladen-Esserinnen eine bessere Sexualfunktion. Nach Berücksichtigung des Alters verschwand dieser Unterschied vollständig, weil die Schokoladen-Gruppe deutlich jünger war. Eine spätere Untersuchung fand bei häufigem Schokoladenkonsum sogar ein geringeres sexuelles Interesse. Eine direkte, belastbare Wirkung von Schokolade auf die Libido ist damit nicht nachgewiesen.
Das PEA wird im Darm weitgehend abgebaut, die Flavanol-Dosis im Genuss bleibt niedrig. Was bleibt, ist eine echte, gut dokumentierte Stimmungswirkung und vor allem der sensorische Wert: der Geschmack, das langsame Schmelzen, das Ritual. Genau darin liegt die Liebes-Logik des Kakaos.
Kakao als sinnliches Ritual
Kakao wirkt am stärksten über die Sinne und über die Gemeinsamkeit. Heiße Schokolade an einem kalten Abend, ein Stück dunkle Schokolade langsam auf der Zunge, eine gemeinsame Tasse zu zweit. Ein paar Anwendungen:
- Heiße Schokolade — Milch oder Sahne, Rohkakao oder dunkle Schokolade, eine Prise Salz, dazu Chili und Zimt.
- Trüffel — Schokolade mit Sahne zu Ganache verarbeitet, gerollt in Kakao. Variieren lässt sich das mit Safran, Rosenwasser oder Chili.
- Schokoladen-Erdbeeren — dunkle Schokolade schmelzen, Erdbeeren eintauchen, kalt stellen.
- Kakao-Butter als Massage-Wachs — schmilzt bei Körpertemperatur und riecht zart nach Schokolade.
Wer den vollen Genuss sucht, achtet auf einen hohen Kakao-Anteil und eine gute Herkunft, weil dunkle Schokolade mehr von den wertvollen Stoffen enthält.
Anbau und Einkauf
In Deutschland lässt sich Kakao nicht anbauen, weil der Baum tropisches Klima braucht. Für das Pleasure-Plant-Sortiment ist er eine Verarbeitungszutat. Beim Einkauf lohnt der Blick auf faire und sortenreine Ware, weil der Kakao-Markt stark von Kinderarbeit und Rodung geprägt ist. Anbieter mit Direkthandel und Bio-Zertifizierung sind die ehrlichere Wahl.
Kakao im Liebeskalender
- Sternbild: Krebs, mit den Qualitäten Nähe und Geborgenheit.
- Planet: Venus, passend zur herzöffnenden Zuordnung.
- Pflanzentag: Frucht. Genutzt werden die Bohnen aus der Frucht.
- Mondphase: Eine Kakao-Zeremonie passt gut zum Vollmond oder zum zunehmenden Mond, Trüffel und Pralinen mit langer Haltbarkeit eher zum abnehmenden Mond.
- Liebes-Qualität: Kakao steht für das Daheim-Sein, für die Zweisamkeit auf dem Sofa, für das Ankommen nach einem langen Tag.
Häufige Fragen
Macht Schokolade wirklich Lust? Ein direkter pharmakologischer Effekt auf die Libido ist nicht belegt. Was belegt ist, ist eine kurzfristige Stimmungswirkung. Der größte Teil der Liebes-Wirkung läuft über Geschmack, Ritual und die kulturelle Verknüpfung von Schokolade mit Genuss und Nähe.
Ist Rohkakao gesünder als normale Schokolade? Rohkakao enthält mehr hitzeempfindliche Inhaltsstoffe wie Flavanole. Für den Genuss zählt vor allem ein hoher Kakao-Anteil und wenig Zucker.
Wie viel Kakao ist sinnvoll? Für die Stimmung und den Genuss reichen kleine Mengen dunkler Schokolade oder ein Löffel Rohkakao in einem Getränk. Größere Mengen bringen viel Theobromin, das bei empfindlichen Menschen den Schlaf stören kann.
Was ist eine Kakao-Zeremonie? Eine gemeinschaftliche Anwendung, bei der Rohkakao als warmer Trunk getrunken wird, oft in ruhiger, achtsamer Runde. Man kann sie als spirituelles Ritual oder einfach als bewussten gemeinsamen Moment verstehen.
Kurz zusammengefasst
Kakao trägt einen großen Ruf als Liebesmittel, und die Pharmakologie hält davon nur wenig. Belegt sind eine kurzfristige Stimmungswirkung und die gefäßfreundlichen Flavanole in höherer Dosis. Die eigentliche Stärke des Kakaos liegt in den Sinnen, im Geschmack und im gemeinsamen Ritual, und das ist für eine Liebespflanze viel wert.
Eine weitere sinnliche Pflanze beschreibt der Rose-Artikel, die große Übersicht steht im Pillar Natürliche Aphrodisiaka. Den Wochenimpuls mit einer Pflanze, einem Rezept und dem Mondstand der Woche gibt es per Mail.
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Studien-Anker: Salonia et al. (2006) zu Schokolade und weiblicher Sexualfunktion (Effekt nach Alterskorrektur nicht mehr nachweisbar); spätere Beobachtungsstudie mit geringerem sexuellem Interesse bei häufigem Konsum; Humanstudien zu Kakao-Flavanolen und Gefäßfunktion. Belege auf PubMed/PMC. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.