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FeigeFicus carica

Die älteste kultivierte Pflanze der Welt — sechs verkohlte Feigen aus dem Jordan-Tal, datiert auf 9400 v. Chr., gelten als ältestes archäologisches Zeugnis von Landwirtschaft. Anders gesagt: die Feige war vor dem Weizen da. Und vor allen anderen Pflanzen-Mythen. Adam und Eva trag

Auf einen Blick

Die älteste kultivierte Pflanze der Welt — sechs verkohlte Feigen aus dem Jordan-Tal, datiert auf 9400 v. Chr., gelten als ältestes archäologisches Zeugnis von Landwirtschaft. Anders gesagt: die Feige war vor dem Weizen da. Und vor allen anderen Pflanzen-Mythen. Adam und Eva tragen Feigenblätter, Aristoteles beschreibt sie, Mohammed schwört bei ihr. Die Form innen — purpurrot, fleischig, körnig — hat Antike und Moderne gleichermaßen mit Sinnlichkeit verbunden. Stier-Frucht, Venus-Pflanze, eine Frucht, die niemals langweilig ist.

Tradition & Geschichte

Ältester Fund: sechs verkohlte Feigen in einem Haus in Gilgal I, Jordan-Tal, datiert um 9400 v. Chr. — also rund 1000 Jahre vor dem Weizen-Anbau in derselben Region. Die Feigen waren parthenokarp (Frucht ohne Befruchtung), also gezielt vermehrt durch Stecklinge. Die Pflanze war eine der ersten domestizierten überhaupt.

Im alten Ägypten war die Feige Sykomore-symbolisch der Göttin Hathor zugeordnet — Hathor war Liebes- und Fruchtbarkeits-Göttin. In Mesopotamien wurde die Feige in Hammurabis Kodex erwähnt. In Griechenland war sie Demeter und Dionysos heilig. Aristoteles und Plinius beschreiben die Feige als „Frucht der Liebe", Sappho schreibt Sehnsuchts-Verse über sie. Im Hohelied Salomons taucht sie wiederholt als Liebes-Bild auf. Mohammed im Koran (Sure 95): „Bei der Feige und beim Ölbaum…"

In der biblischen Tradition: Genesis 3:7, nach dem Sündenfall, „taten ihnen die Augen auf, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze." Die Feigenblätter als erste Kleidung der Menschheit — und gleichzeitig das ikonische Symbol für die Bedeckung der Genitalien in der Kunstgeschichte. Bis ins 19. Jahrhundert wurden Statuen-Genitalien systematisch mit Feigenblättern verdeckt (Vatikan, Britisches Museum). „Feigenblatt" als Wort für Verhüllung ist daraus geworden.

In Italien trägt eine bestimmte Handgeste den Namen fica — eine Anspielung auf das weibliche Genital. Die Feige-Form ist seit der Antike anatomisch konnotiert. D. H. Lawrence hat darüber ein berühmtes Gedicht geschrieben („Figs"), das nicht zimperlich war.

Wirkung

Geschmack süß, leicht klebrig, mit feiner Frucht- und Honig-Note. Frische Feigen sind kurzlebig (3–4 Tage), getrocknete Feigen lange haltbar und süß-kompakt.

Inhaltsstoffe: hoher Anteil natürlicher Zucker, Mineralien (Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen), Ballaststoffe, Antioxidantien, Vitamin B6. Frische Feigen enthalten Ficin, ein eiweißspaltendes Enzym (deshalb das leichte Kribbeln auf der Zunge).

Studienlage zur Sexualfunktion: praktisch nicht vorhanden. Die Feige liefert Mineralstoffe und Ballaststoffe wie anderes gutes Obst auch, mehr lässt sich dazu ehrlich nicht sagen. Die starke Spur ist hier die Tradition — und die ist bei kaum einer Pflanze so alt und so breit.

Für die Liebes-Lesart: Feige ist sinnlich pur — sensorisch, visuell, kulturell. Die Frucht öffnen und mit den Fingern essen, jemandem einen Bissen ins Maul stecken, das süße Fleisch von der Schale lutschen: das sind Gesten, die Bände sprechen. Stier-Frucht in Reinkultur — körperliche, slow, satte Lust.

Anbau

In Deutschland gut möglich — die Feige ist williger, als ihr Ruf vermuten lässt. Zwei Dinge entscheiden über Erfolg oder Frust: die Sorte und der Winter.

  • Die Sortenfrage kommt zuerst. In ihrer Heimat wird die Feige von einer winzigen Wespe (Blastophaga psenes) bestäubt, die in Deutschland nicht lebt. Sorten, die auf sie angewiesen sind, werfen hier ihre Früchte unreif ab — das ist die häufigste Enttäuschung mit Feigen im deutschen Garten. Gebraucht wird eine parthenokarpe Sorte, die ohne Bestäubung ausreift. Bewährt und früh genug für unser Klima: 'Ronde de Bordeaux' (klein, dunkel, sehr früh, gilt als die zuverlässigste für kühle Lagen), 'Brown Turkey', 'Pastilière', 'Bornholmsfeige', 'Brogiotto Nero'. Im Zweifel beim Händler nach „selbstfruchtbar" oder „parthenokarp" fragen
  • Pflanzung: Jungpflanze aus der Baumschule, April nach den Eisheiligen. Vermehrung geht auch selbst: im Februar oder März einen bleistiftdicken, etwa 25 cm langen Trieb vom vorjährigen Holz schneiden, zwei Drittel in sandiges Substrat stecken, warm und gleichmäßig feucht halten. Feigen bewurzeln bereitwillig, viele Stecklinge treiben nach vier bis sechs Wochen
  • Standort: Vollsonne und windgeschützt. Die Südwand des Hauses ist der klassische Platz, weil die Mauer nachts Wärme abgibt — das entscheidet über die Ausreife im September
  • Boden: durchlässig, gern kalkhaltig, mager bis normal. Zu gut gedüngt wächst die Pflanze ins Blatt statt in die Frucht, und die weichen Triebe frieren im Winter zurück. Ab August keinen Stickstoff mehr geben, damit das Holz ausreift
  • Kübel: ab 40 cm Durchmesser, besser 50 bis 60 Liter für eine tragende Pflanze. Kräftige Drainageschicht, Substrat aus Kübelpflanzenerde mit einem Drittel Sand oder Splitt. Im Sommer täglich gießen — die großen Blätter verdunsten enorm, eine trocken gefallene Feige wirft Blätter und Früchte gleichzeitig ab. Alle drei Jahre umtopfen oder den Wurzelballen an den Seiten anschneiden
  • Schnitt: sparsam, im Februar oder März. Wichtig zu verstehen: Die Hauptfrucht wächst am diesjährigen Trieb, die frühe Vorfrucht (Breba) am vorjährigen Holz. Wer im Frühjahr radikal zurücknimmt, schneidet die Vorfrucht weg. Also nur auslichten, Totholz raus, zu lange Triebe einkürzen
  • Ernte: August bis Oktober. Reif ist die Frucht, wenn der Stiel nachgibt und sie hängt statt absteht, die Haut leicht einreißt und an der Öffnung unten ein Zuckertropfen sitzt. Feigen reifen nach dem Pflücken nicht nach — eine zu früh geerntete Feige bleibt eine zu früh geerntete Feige. Frisch hält sie drei bis vier Tage
  • Überwinterung im Kübel: nach dem Laubfall hell oder dunkel bei 0 bis 8 °C — Garage, kühler Keller, unbeheiztes Treppenhaus. Die Pflanze ist blattlos und braucht kein Licht, aber gelegentlich einen Schluck Wasser: der Ballen darf nicht durchtrocknen. Zu warm überwintert (Wohnzimmer) treibt sie im Januar aus und vergeilt. Ab März wieder heller und wärmer stellen, ab Mai nach draußen — die ersten Tage im Halbschatten, sonst verbrennen die jungen Blätter
  • Überwinterung ausgepflanzt: in Weinbauklima (Pfalz, Rheinhessen, Baden, Mosel, Bodensee, Köln-Bonner Bucht) mit gutem Standort meist unproblematisch. Sonst den Wurzelbereich dick mulchen, die Krone locker zusammenbinden und mit Vlies packen, junge Pflanzen die ersten drei Winter grundsätzlich. Friert die Feige zurück, ist sie selten tot — sie treibt oft aus der Basis neu aus, trägt dann aber ein Jahr kaum
  • Lebensdauer: mehrjährig, in milden Lagen werden Feigen jahrzehntealt

Vorsicht beim Schneiden und Ernten. Der weiße Milchsaft enthält Ficin und Furocumarine. Auf der Haut kann er zusammen mit Sonnenlicht eine phototoxische Reaktion auslösen — Rötung, Blasen, später bleibende Flecken. An sonnigen Tagen also Handschuhe tragen, Saft von Haut und Augen fernhalten und die Hände waschen, bevor man in die Sonne geht.

Realität in DE: In den Weinbaulagen wächst die Feige ausgepflanzt ohne Aufhebens, drei bis zehn Kilo im Jahr sind bei einer etablierten Pflanze normal. Nördlich davon ist der Kübel der sichere Weg: geerntet wird dann weniger, aber es wird geerntet — vorausgesetzt, die Sorte ist früh und der Standort warm. Was in Deutschland verlässlich scheitert, ist die Feige aus dem Urlaubssteckling unbekannter Herkunft an der Nordwand.

Mondkalender

  • Pflanzung: Fruchttage (Widder, Löwe, Schütze) bei zunehmendem Mond, im April nach den Eisheiligen
  • Düngung und Bewässerung: Fruchttage bei zunehmendem Mond
  • Rückschnitt: abnehmender Mond, Februar/März — sparsam, weil Feigen am alten Holz tragen
  • Ernte frisch: Fruchttage bei Vollmond, sofern die Frucht reif ist
  • Trocknen und Konfitüre: abnehmender Mond, ideal nach Vollmond

Sternbild & Planet

Stier — Sinnlichkeit & Genuss. Erd-Sternbild, Wurzeltag-Logik in der Mondkalender-Theorie. Venus-Pflanze in der Culpeper-Tradition — schön, anziehend, sinnlich. Stier passt perfekt: die Feige ist körperliche, satte, slow Lust. Nichts Hektisches, nichts Schickes, kein Show-Effekt — pure Sinnlichkeit, die in der Hand liegt.

Pflanzentag Frucht. In der Symbolik: die Feige ist eigentlich ein „Frucht-Stand" — also ein eingestülpter Blütenstand, in dem hunderte winzige Blüten von innen blühen. Das ist Botanik-Pointe und gleichzeitig erotische Symbolik (Inneres als Geschlechtsbereich, der nicht gezeigt wird, aber alles ist).

In der Küche

Die Feige braucht in der Küche wenig. Sie ist süß, weich und teuer erkauft — je weniger man mit ihr macht, desto besser steht sie da. Schale mitessen, nur den harten Stielansatz abknipsen.

Gefüllte Feigen aus dem Ofen sind die Anwendung, die am meisten hermacht und am wenigsten Arbeit ist. Vier reife Feigen kreuzweise einschneiden, aber nicht durchtrennen, mit den Daumen auseinanderdrücken. In jede einen Teelöffel Ziegenfrischkäse oder Mascarpone, darüber gehackte Pistazien oder Walnüsse und einen Faden Honig. Acht bis zehn Minuten bei 200 °C, bis die Ränder Farbe nehmen. Warm servieren, ein paar Thymianblättchen darauf.

Feigen-Konfitüre. 1 kg reife Feigen grob würfeln, mit 500 g Gelierzucker 2:1, dem Saft einer Zitrone und dem Mark einer Vanilleschote drei Stunden ziehen lassen, dann vier Minuten sprudelnd kochen. Wer mag, gibt zum Schluss zwei Esslöffel Portwein dazu. Passt zu Käse genauso wie aufs Frühstücksbrot.

Weitere Klassiker: Feige mit Prosciutto, dem Antipasti-Klassiker · Herbstsalat mit Rucola, Granatapfelkernen und Parmesansplittern · Feigen-Tarte mit Mürbeteig und Crème Pâtissière · Feigen-Tatin mit karamellisierten Hälften · Feigensenf zu Pecorino und Brie · getrocknete Feigen mit Walnuss, in Rotwein eingelegt.

Für den Abend zu zweit: Feigen im Pfännchen. Zwei Feigen halbieren, mit der Schnittfläche in etwas Butter und braunem Zucker karamellisieren, mit einem Schuss Rotwein oder Portwein ablöschen und einkochen lassen. Über Vanilleeis oder einfach so, mit den Fingern, direkt aus der Pfanne. Zum Essen gehört bei dieser Frucht das Auseinanderbrechen dazu — sie ist nicht dafür gemacht, mit dem Messer erledigt zu werden.

Tee, Tinktur, Bad

Die Feige ist zuerst eine Esspflanze — als Tee- und Tinkturpflanze steht sie in keiner großen Tradition. Zwei Dinge lohnen sich trotzdem, und eines davon kennt kaum jemand.

Feigenblatt-Sirup — der unterschätzte Teil der Pflanze. Feigenblätter duften angewelkt nach Kokos, grüner Walnuss und Vanille; das Aroma kommt vom Cumarin und ist unverwechselbar. Drei bis vier frische Blätter waschen, grob zerreißen, mit 250 ml Wasser und 250 g Zucker einmal aufkochen, vom Herd nehmen und über Nacht ziehen lassen. Abseihen, in eine saubere Flasche, hält im Kühlschrank etwa vier Wochen. Damit wird aus Sodawasser ein Getränk, aus Sahne ein Dessert und aus Gin Tonic etwas, das niemand einordnen kann. Dieselben Blätter geben, in Milch oder Sahne ausgezogen, die Basis für Eis und Panna Cotta.

Feigenblatt-Tee. Ein Blatt getrocknet und zerkleinert auf 250 ml Wasser, acht Minuten ziehen. Mildes, heuartiges Aroma. In der mediterranen Volksheilkunde gilt der Aufguss als verdauungsfördernd und wird traditionell nach schweren Mahlzeiten getrunken; belastbare Studien dazu gibt es kaum. Weil Feigenblätter Furocumarine enthalten, gilt hier dieselbe Vorsicht wie beim Ernten: sparsam verwenden, nicht literweise, und beim Sammeln Handschuhe.

Eingeweichte Trockenfeigen. Drei getrocknete Feigen über Nacht in einem Glas Wasser einweichen, morgens Frucht und Wasser zusammen. Ein alter Hausbrauch, wenn die Verdauung träge ist — hier arbeiten schlicht Ballaststoffe und Quellwasser, nichts Geheimnisvolles.

Bad: keine Tradition, und wir erfinden auch keine. Was es dagegen wirklich gibt, ist die mediterrane Dessertkarte am Ende eines langen Abends: getrocknete Feigen, Walnuss, ein Glas süßer Wein.

Mit anderen Pflanzen

  • Mit Walnuss und Honig: das mediterrane Trio, zum Käse und zum Wein
  • Mit Ziegenkäse: Klassiker auf Antipasti-Tellern
  • Mit Granatapfel: zwei mythologische Schwergewichte. Im Herbst-Salat, in Persephone-themed Date-Night-Menüs
  • Mit Rose: in arabischen Süßspeisen, in Eis und Konfitüre
  • Mit Vanille: in Konfitüre und Desserts, beide Venus-Pflanzen, beide Stier
  • Mit Lavendel: ungewöhnlich, aber Lavendel-Feigen-Konfitüre ist eine Provence-Idee, die funktioniert
  • Mit Kakao: in Pralinen mit Feigen-Füllung

Wann ernten?

Der Mondkalender kennt für jeden Pflanzenteil eigene Tage. Hier stehen die nächsten konkreten Termine:

Wann passt sie?

Feige steht im Liebeskalender für Sinnlichkeit & Genuss. Für diese Vorhaben rechnet der Kalender die nächsten Termine: